07.01.2010
12:40

Wählt Schindler ab

Berlins Elternboss ist gegen eine demokratische Schule

Ein Kommentar des Watch-Blogs Landeselternausschuss (LEA)

[Um es vorweg zu sagen: Der LEA hat seinen Vorsitzenden am Freitagabend - 8. Jan - mit 15:3 Stimmen wiedergewählt.]

André Schindler ist nicht ohne Charme. Seinem trockenen Humor kann man sich schwerlich entziehen. Er ist persönlich eine ganz angenehme Erscheinung - und natürlich ein echter Politprofi.

Aber als Chef des Landeselternausschusses ist er nicht tragbar. Am Freitag wählt Berlins höchstes Elterngremium - es sollte die Gelegenheit nutzen und Schindler absetzen.

André Schindler ist für ein demokratisches Organ ungeeignet. Denn er ist erstens kein Demokrat, sondern ein rücksichtsloser Populist. Und er hat zweitens keinen Begriff von einer demokratischen Schule. Enttäuschte politische Hoffnungen, die er mit seiner gescheiterten Bildungspartei begraben musste, rechtfertigen nicht, Berlins Eltern zur Geisel eines verletzten Egomanen zu machen. Und sie seinen dauernden Desinformationen auszusetzen.

Schindler hat jüngst in einer Kampagne, bei der er um fünf Uhr morgens das Feuer eröffnete, eine sagenhafte Falschbehauptung in die Welt gesetzt:

Berlins Gymnasien seien in Gefahr, trötete er via Twitter, der Homepage des Elternverbandes und seinen Schleppenträgern von der Morgenpost.

Das ist keine Petitesse. Mitten in einer Schulreform mit der Autorität des obersten Elternsprechers den Untergang der Gymnasien zu verbreiten, ist reine Panikmache.

Die Eltern vieler Berliner Dritt- und Viertklässler reagierten zurecht nervös. Viele wollten ihre Kinder sofort aus den Grundschulen herausholen und aufs Gymnasium bugsieren – solange das möglich sei. André Schindler hat den Grundschulen so absichtlich geschadet. Seriöse Elternsprecher hatten viel zu tun, um in stundenlangen Gesprächen seine Falschinformationen aufzuklären.

Die Behauptungen Schindlers waren reine Spekulation. Sie populistisch zu verbreiten ist eines Mannes, der Beliner Eltern gut vertreten soll, nicht würdig.

Dass Schindler die Interessen seiner Kinder wahrnimmt ist völlig in Ordnung. Dafür ist er als Gymnasialsprecher in seiner Schule gewählt. Nur hat der Vertreter aller Eltern von Berlins Schulkindern hat eine ganz andere Rolle. Er soll nicht einseitige Klientelpolitik für das Gymnasium und, ja, Hetze gegen andere Schulformen verbreiten. Er soll für alle Berliner Eltern sprechen. Schindler attackiert aber meist Gemeinschafts- und Grundschulen. Ihm sind ganz offensichtlich integrierte Schulformen ein Dorn im Auge.

Als die inzwischen von Eltern stark nachgefragte Gemeinschaftsschule eingeführt wurde, nannte sie Schindler sofort ein teures und unsinniges Projekt. Als ein Wissenschaftler mit einer zweifelhaften Studie (die inzwischen widerlegt ist) Stimmung gegen die sechsjährige Berliner Grundschule machte, veranstaltete Schindler große Bahnhöfe für die Verbreitung der Unwahrheiten.

Vor wenigen Tagen erst verlangten Schindler und der von ihm dominierte Landeselternausschuss, auch schon die Berliner Erstklässler ständigen zentralen Vergleichsuntersuchungen auszusetzen. Diese Forderung trägt erneut Unsicherheit in die Lehrerschaft, die bereits jetzt klagt, vor lauter Wiegen und Messen der Schüler nicht mehr zum Lernen mit den Schülern zu kommen.

Schindler lässt keine Gelegenheit aus, gegen die Berliner Schulreformen zu mobilisieren.

Dabei ist unter Fachleuten die Vereinfachung und pädagogische Aufwertung der Schularten absolut unumstritten. Sie soll mehr Chancen für Migranten und Hauptschüler bringen. Acht von zehn Berliner Hauptschulen gelten unter Forschern als Marienthalschulen – das sind Schulen der Hoffnungslosigkeit. Inzwischen folgen alle Stadtstaaten der Berliner Linie, auch in den ersten Flächenländern beginnt man, sich auf eine demokratische Schulstruktur zuzubewegen. Eleganter, aber erbitterter Gegner dieser Reformen ist: André Schindler.

Zehntausende Menschen in der Stadt warten voller Hoffnung auf die überfällige Umgestaltung einer Schule, die in ihren Grundstrukturen noch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Sie haben eine Recht darauf, dass die Spitze ihrer organisierten Elternschaft diese Reformen kritisch begleitet. Aber sie haben es nicht verdient, dass ihr höchster Repräsentant mit zweifelhaften Methoden und aus der Landeselternvertretung heraus gegen diese anerkannte Reform Fundamentalopposition betreibt.

André Schindler ist ein verletzter Elitist, der in die Politik gehen sollte. Als Landeselternboß aber sollte er aufhören. Wählt ihn endlich ab!

04.01.2010
22:03

Das Lea-Monitoring - ein Lügendetektor

Wie organisierte Eltern gezielt gute Schule verhindern

Der Berliner Landeselternausschuss hat im Dezember eine Beschluss über Qualität gefasst und nun durch seinen Vorsitzenden André Schindler veröffentlicht. Darin steht,

dass "die Lernausgangslagen der Schülerinnen und Schüler zu Beginn und zum Ende der Schulanfangsphase durch altersgerechte und wissenschaftlich fundierte Verfahren ermittelt und der Lernzuwachs jeder Schülerin und jedes Schülers gemessen werden sollen."

Die anonymisierten und ausgewerteten Daten der Lernzuwächse, heißt es,

sollen spätestens zum Ende eines jeden Kalenderjahres auf der jeweiligen Schulporträtseite der Senatsbildungsverwaltung veröffentlicht werden. 

Dieser Beschluss steht unter der Überschrift "Transparenz mit dem Ziel der Qualitätssteigerung" - aber er wird genau das Gegenteil bewirken.  Es geht dem Lea und insbesondere seinem Vorsitzenden nicht um Qualität. Es geht darum, weiteren Druck auf Bildungssenator Jürgen Zöllner auszuüben. Denn Schindler leitet kein Beratungsorgan und keine Interessenvertretung, wie es gesetzlich (BerlSchG §§ 114/115) vorgesehen ist, er ist eine selbsternannte Fundamental-Opposition

Schindler ist viel zu intelligent, um nicht zu wissen: Das Veröffentlichen der Lernfortschritte einzelner Schüler wäre eine Vermischung des Notenapparates der alten Lehrplanschule mit den neuen Monitoring-Instrumenten für das Schulsystem. Eine solche Vermischung chaotisiert den Lehrbetrieb und belastet die Lehrer. Sie sind dazu da, Kinder individuell zu fördern - und nicht dazu, die Schul-Striptease-Phantasien des Lea zu befriedigen.

Der vermeintliche "Qualitäts"-Beschluss ist ein weiteres Instrument, um die dringend nötigen Veränderungen des Berliner Schulsystems zu blockieren, anstatt sie zum Erfolg zu führen. Im Oktober behauptete der Lea bzw. sein Vorsitzender, die Berliner Gymnasien würden geschlossen - ein vollkommen haltloser und absurder Vorhalt, der durch nichts gedeckt war. ("Gymnasien droht Schließung - heutige 5.-Klässler betroffen" >>> LeaLüge) Schindler gab den Elternvorsitzenden, der absichtlich erschreckt, anstatt Eltern gut zu vertreten.

Pisaversteher.de findet, dass man dem Berliner Schulsenator Jürgen Zöllner genau auf die Finger sehen muss, damit die weit reichenden Schulreformen nicht versanden.

Aber pisaversteher ist inzwischen noch mehr der Ansicht, dass der Landeselternsprecher kritische Aufmerksamkeit verdient hat.

Es braucht ein unabhängiges Watch-Blog - für den Lea, sozusagen ein Lügen-Detektor, ein Qualitätssicherungssystem und Monitoring.

Damit Berlins oberster Elternschinder die Eltern nicht weiter unnötig in Panik versetzt.

Deswegen wird Pisaversteher die Lea-Beschlüsse beobachten und unregelmäßig erläuternd veröffentlichen. Damit jene Eltern, die sich wirklich informieren wollen, dies auch tun können. Sonst bekommen wir in Berlin noch Hamburger Verhältnisse.

Pisaversteher

Hintergund Schulanfangsphase:

Die Schulanfangsphase soll den Kindern die Möglichkeit geben, nach ihren individuellen Geschwindigkeiten zu lernen. Und endlich Abstand nehmen von dem vermaledeiten "Gleichschritt, Marsch Marsch!" durch den Lehrplan.  

Individuelle Lernfortschritte müssen selbstverständlich diagnostiziert und überprüft werden. Aber bitte nicht von der Öffentlichkeit oder dem Senator oder, noch schlimmer, durch den Vorsitzenden des Landeselterngremiums. Dazu ist der oder die Lehrer/in da. Und die Eltern des Kindes. Niemand sonst.

Die Veröffentlichung selbst anonymisierter Daten wäre absoluter Kokolores. Es würde a) die Schulen weiter zu Verwaltungsbehörden degradieren und b) zu so peinlichen Situationen führen, wie sie in Bayern zu beobachten waren, als man dort eine Art Grundschulabitur plante.

Allenfalls ist es sinnvoll, die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten zusammengefasst zu veröffentlichen. Ansonsten brauchen die Lehrer von Grundschulen Ruhe und Abgeschiedenheit, um die Reform Schulanfangsphase nachhaltig einzuführen. Denn es ist kein kleiner Schritt vom Klassen- und Sitzenbleibeprinzip zum individuellen Arbeiten.  

29.12.2009
21:37

Meine fünf besten LehrerInnen 2009

Die LehrerInnen des Jahres in Zitaten:

 

"Noten sind Betrug"

SABINE CZERNY, strafversetzte Grundschullehrerin in Bayern. Im Mai mit dem Karl-Steinbauer-Zeichen für Zivilcourage ausgezeichnet:

„Eine schlechte Note trifft ein Kind ins Mark. Es verletzt sein Selbstbewusstsein. Wissen sie, für Kinder ist es nicht so schlimm, wenn sie etwas nicht verstehen. Kinder sind von einer Welt umgeben, die sie noch kaum durchschauen. Aber das schaffen sie Schritt für Schritt, durch Neugier - und Sicherheit. Nur was Kinder gar nicht wollen, ist, etwas falsch zu machen. Das verunsichert sie zutiefst. Das Bewerten und Fehlersuchen, das Bloßstellen und Herabwürdigen macht sie schwach.“

„Aber Noten sind Betrug, sie nützen keinem. Sie sind nur für eines wichtig - zur Auslese.“ In einem Interview in der taz und Die Schulrebellin

"Kinder brauchen Ziele, Visionen, Utopien."

MARGRET RASFELD, Leiterin der Evangelischen Schule im Zentrum, Berlin. Botschafterin für Berlin: „Eine Schule für alle“

Margret Rasfeld begreift Schule als ein Labor, in dem junge neugierige Menschen die Fragen nach der Zukunft des Planeten stellen: „Warum sollten wir Kinder daran hindern, indem wir sie in einen Lehrplan einsperren und ihnen von außen die Lernaufgaben des vergangenen Jahrhunderts stellen.“

Zum Lehrplan ihrer Schule gehört die Agenda 21: „Wir können gute Schule nicht nur mit ausgefeilter Didaktik machen. Die Kinder brauchen Ziele, Visionen, Utopien – wie die in der Agenda 21. Wie kann es sein, dass der Bundestag so etwas beschließt und sich Initiativen, Behörden Unternehmen dieses Ziel teilen - und 99 Prozent aller deutschen Schulen tun es nicht?"

Eine Schule für die Generation Visionen

"Wir sind eine Privatschule. Aber wir sind auch eine Schule für Kinder, die andere Schulen einfach zurück gelassen haben.“

PETER KILLIG, Lehrer an der Odenwaldschule, einem 100 Jahre alten, reformpädagogischen Landerziehungsheim in Oberhambach:

„Mir geht es darum, dass die Kinder das Lernen lernen. Manche hier beherrschen das freie Arbeiten, die haben viel Kür. Aber anderen könnte ich niemals so viel Freiheit lassen – denn die würden sonst gar nicht arbeiten. Ich habe 14 Kinder, davon zehn Kinder mit diagnostizierten Leistungsstörungen. Ich sehe mich an einer Reformschule, einer privaten Reformschule. Aber das ist auch eine Schule für Kinder, die andere Schulen einfach zurück gelassen haben.“

(März 2010 in Christian Füller: "Ausweg Privatschulen? was sie besser können, woran sie scheitern" edition Körber-Stiftung)

"Das Kind, das einem gegenübertritt, hat immer etwas Rätselhaftes - von dem es auch etwas behalten soll."

UTE ANDRESEN, Lehrerin, Autorin, Schreibkünstlerin:

Andresen sieht einen Dialog zwischen drei Beteiligten: Dem Kind, dem Lehrer - und dem Gegenstand. Sie sagt: Die Beziehung zwischen Lehrer und Gegenstand ist gestört. Denn es gebe heute viele vorgefertigte Arbeitsblätter im Unterricht, die dem Kind zeigen: Das interessiert den Lehrer nicht. Diese Arbeitsblätter sind, sagt Andresen, so etwas wie Fertiggerichte.

"Die Lehrerin wird angesehen als eine Art pädagogische Mikrowelle, die das Fertiggericht für die Kinder heiß macht. Am inspirierendsten ist aber der Text, bei dem die Kinder sehen: Den hat unsere Lehrerin für uns gemacht."

„Wenn man Lehrerin ist, darf man nie vergessen, dass es Kinder in der Klasse gibt, für die ihre innersten Vorgänge oberste Priorität haben." Pisaversteher.de

"Als Schulleiterin muss ich die Lehrer in einen Flow versetzen."

ERIKA RISSE, Noch-Schulleiterin des Elsa-Brändström-Gymnasiums in Oberhausen und schon Präsidentin des Verbands der Landerziehungsheime:

„Vertrauen ist die wichtigste Ressource, die sie in einer Schule haben – für die Schüler genau wie für die Lehrer.“ Erika Risse ist gerne die Leiterin einer staatlichen Schule. Sie hat nicht nur ein Angebot aus der Wirtschaft ausgeschlagen, eine private Schule aufzubauen. Aber wenn man sie fragt, „Was ist ihr Traum von Schule?“, dann gibt Erika Risse eine interessante Antwort: „Schule muss denen gehören, die sie machen.“ Das ist eigentlich nur ein anderes Wort für: private Schule, selbständige Schule oder auch charter school.

„Schulentwicklung heißt individuelles Lernen möglich zu machen. Man muss aufs Individuum setzen. Dazu braucht man insgesamt in der Schule eine andere Beziehungskultur. Das gelingt nur mit der Begeisterung der Lehrer. Ich muss als Schulleiterin die Lehrer in einen Flow versetzen. Das geht nur, indem ich Bewegung ausströme. Und indem ich mich hinter sie stelle. Auch hinter die Widerständler. Denn die können auch wichtig sein für die Schulentwicklung, weil sie immer mal sagen: 'Bitte einen Schritt langsamer, wir müssen alle mitkommen'.“

(demnächst in: Ausweg Privatschulen?)

 

19.12.2009
14:58

Schiller. Oder das deutsche Bildungsdilemma

Hehre Bildung - für wenige

Friedrich Schiller hat einen wunderschön geschriebenen Text über „ästhetische Erziehung“ verfasst. Er will, so die Grundintention, zeigen, dass man durch ästhetische Bildung „die Veredlung der Gefühle und die sittliche Reinigung des Willens“ erreichen kann. Ein Jahrhundertprojekt – das beweist, wie groß das deutsche Bildungsdilemma ist:

Weil die politische Revolution nie geschafft wurde, flohen die Bürger sich in eine ästhetische Vorstellung von ganzheitlicher Bildung, änderten aber an den realen Verhältnissen fast nichts. Das Produkt: Ein zutiefst ungerechtes Bildungssystem – bis heute.

Schiller ist ein Anhänger der französischen Revolution, im Prinzip. Als es 1792 zu Greueltaten und Hinrichtungen kommt, wendet er sich ab. In seinen Briefen an den Herzog von Augustenburg urteilt er hart über die Vorgänge. „Der Moment war der günstigste, aber er fand eine verderbte Generation, die ihn nicht wert war.“

Schiller ehrt den Versuch des französischen Volkes, „sich in seine heiligen Menschenrechte einzusetzen, und eine politische Freiheit zu erringen.“ Aber er ist entsetzt, wie die niederen Klassen sich

„nach aufgehobenem Band der bürgerlichen Ordnung entfesseln und mit unlenksamer Wut ihrer tierischen Befriedigung zueilen.

Und wie, noch schlimmer, der aufgeklärte Mensch der zivilisierten Klassen bis zum Teuflischen herabstürzt. Schillers Folgerung ist klar. „Nur der Charakter der Bürger [und nicht die Institutionen oder Gesetze] erschafft und erhält den Staat, und macht politische und bürgerliche Freiheit möglich.“ Das bedeutet: 

„Wir müssen damit anfangen, für die Verfassung Bürger zu erschaffen, ehe man den Bürgern eine Verfassung geben kann.“

Was sich ein wenig abseitig anhört, ist topaktuell. Verkürzt gesagt: Weil die Revolution schief geht, begibt sich Schiller – und mit ihm die Deutschen - auf den langen steinigen Weg der Bildung des Menschen zur Persönlichkeit. Nach der französischen Revolution entsteht in Frankreich eine demokratische Schule, die dem Heranbilden aller zu Bürgern verpflichtet ist.

In Deutschland hingegen bleiben oder bilden sich ständische Schulen heraus, die angeblich  dem Ziel der Persönlichkeitsbildung dienen. Freilich nur in den höheren Schulen. Die Praxis der niederen Schulen bleibt unberührt. Sie dient dem, was Friedrich der Große zur gleichen Zeit so bezeichnete: Die Kinder auf dem Land sollen „bisgen lesen und schreiben lernen“ - aber bitte nicht zuviel, sonst  flüchten sie das Land und wollen in den Städten Secretairs werden.

Dieser Streit wird ganz praktisch noch heute geführt. Wenn etwa Unionsleute beinahe durchgehend sagen:

„Ob Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium oder Gesamtschule - das Wichtigste für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler ist ein guter Unterricht."

Das heißt: Bitte, bitte keine Debatte über Schulstrukturen! Lieber über Erziehung reden und nachdenken.

Hier hat die Bildungsarmut von heute ihre geistigen Wurzeln, die 400.000 Kinder in der pädagogischen Friedhofsruhe der Sonderschulen, die Million Schüler an Hauptschulen, die die Kultusminister von den allgemeinen Bildungsstandards abkoppeln wollen, die rund 400.000 Jugendliche im Übergangssystem von beruflichen und schulischen Warteschleifen. Und hier kommt die Bildungsungerechtigkeit her, dass das Bürgertum seinesgleichen mehr fördert als die Unterschicht: Die Gymnasien und Hochschulen für sich reserviert; die Bürgerkinder genauso gut fördert wie die Bedürftigen etc.

Schiller hat eine andere Pädagogik, dem Kinde zugewandte Pädagogik in seiner ästhetischen Erziehung gar nicht verfasst. Er redet ständig davon, dass der Mensch seine höchste Bestimmung anstreben solle – Menschen, Lehrer oder Schulen kommen in dem Text aber kaum vor, ja streckenweise findet sich noch nicht einmal der Begriff Erziehung. Natürlich haben (Reform-) Pädagogen wie Friedrich August Wilhelm Fröbel, Eberhard von Rochow, Johann Heinrich Pestalozzi oder praktische Hinweise gegeben, wie gutes Lernen aussieht. Aber die wird letztlich den höheren Schichten vorbehalten.

Der Pöbel wird in Bewahranstalten, Hilfsschulen, Sonderschulen und Hauptschulen gesteckt. Die bestehen bis heute, meist im Titel ein wenig gereinigt.

Auf eine demokratische Schule aber wartet das Land bis heute.   

16.12.2009
18:25

Die Modernisierungs-Vertager

Gipfel der Verantwortungslosigkeit

Der Bildungsgipfel zwischen den LänderministerpräsidentInnen und der Kanzlerin zeigt: Die Zukunft wird von diesen RegierungschefInnen kleinverwaltet. Von dem Gipfel geht mehr Stagnation als Impuls aus. 

Die Gipfelexpedition hat keines ihrer selbstgesteckten Ziele erreicht.

Angela Merkels bemerkenswerter Wahlspruch einer Republik, in der "Bildung für alle" im Zentrum steht, wurde gar nicht mehr erwähnt.

Es wird keine substanziellen Investitionen in Bildung geben. Während andere Staaten vielstellige Milliardenbeträge in die so genannten 21st century skills investieren, beharren die Provinznasen hierzulande darauf, dass es dem Bund VERBOTEN sein muss, in die Qualifikationen seiner BürgerInnen zu investieren.

Dieser Satz von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte alles.

"Wer sich in der Verfassung eine Kompetenz erkämpft, der muss sie dann auch ausfüllen."

Beck münzte diesen Satz auf den Bund – aber natürlich muss man ihn auf die Länder beziehen. Denn die haben sich bei der Föderalismusreform I ALLE Bildungszuständigkeiten geholt und sie gehen damit mehr als schlampig um.

Dieser inzwischen selbst von Bundesbildungsministerin Schavan als falsch erkannte Zustand wird nun sogar noch verschärft. Denn der Bund erklärt sich nun bereit, 40 Prozent der Bildungsausgaben zu übernehmen; aber die Länder bekommen dieses Geld nicht etwa als konkrete Projekte, sondern als Mehrwertsteuerpunkte. Mit anderen Worten:

Die Länder können mit dem Geld machen, was sie wollen. Sie müssen es nicht in Bildung investieren.

Was am Mittwoch in Berlin ausgehandelt wurde, ist eine schwere Niederlage für die Lernenden und Studierenden. Die Spaltung des Landes in Oben und Unten, in höhere und niedere Schulen DURCH BILDUNG wird weiter gehen. Es wurde NICHTS gegen Bildungsarmut unternommen, es werden nicht entschieden Studienplätze ausgebaut. Es wurden keine Akademien für neues Lernen oder den Rektorennachwuchs gegründet.  

Die Modernisierungsblockade, die Angela Merkel aufheben wollte, bleibt damit bestehen. Die Verhältnisse verfestigen sich weiter im Jahr acht nach Pisa. Ein Jahr nach dem ersten Bildungsgipfel steht die Kanzlerin vor dem Scherbenhaufen ihrer Politik.

Indes muss man sich niemand ärgern. Denn der Bildungsgipfel war eben keiner, es ging um etwas ganz anderes: Ein Tauschgeschäft. Die schwarz-gelbe Koalition will Steuergeschenke verteilen, dafür musste sie den Ländern etwas geben. Sonst bekommt sie keine Zustimmung für ihre Pläne im Bundesrat. Bei geschätzten und kleingerechneten 13 Milliarden Euro "Bildungsausgaben" übernimmt der Bund nun 40 Prozent, also 5,2 Milliarden Euro.

Das sind die Silberlinge, die der Bund auf den Tisch legt, um verbilligte Hotelpreise, Kinder- und Betreuungsgeld zu bekommen. 

Bildung ist ganz oben angekommen - als Faustpfand für andere Zwecke.

pisa-versteher.de