Wählt Schindler ab
Berlins Elternboss ist gegen eine demokratische Schule
Ein Kommentar des Watch-Blogs Landeselternausschuss (LEA)
[Um es vorweg zu sagen: Der LEA hat seinen Vorsitzenden am Freitagabend - 8. Jan - mit 15:3 Stimmen wiedergewählt.]
André Schindler ist nicht ohne Charme. Seinem trockenen Humor kann man sich schwerlich entziehen. Er ist persönlich eine ganz angenehme Erscheinung - und natürlich ein echter Politprofi.
Aber als Chef des Landeselternausschusses ist er nicht tragbar. Am Freitag wählt Berlins höchstes Elterngremium - es sollte die Gelegenheit nutzen und Schindler absetzen.
André Schindler ist für ein demokratisches Organ ungeeignet. Denn er ist erstens kein Demokrat, sondern ein rücksichtsloser Populist. Und er hat zweitens keinen Begriff von einer demokratischen Schule. Enttäuschte politische Hoffnungen, die er mit seiner gescheiterten Bildungspartei begraben musste, rechtfertigen nicht, Berlins Eltern zur Geisel eines verletzten Egomanen zu machen. Und sie seinen dauernden Desinformationen auszusetzen.
Schindler hat jüngst in einer Kampagne, bei der er um fünf Uhr morgens das Feuer eröffnete, eine sagenhafte Falschbehauptung in die Welt gesetzt:
Berlins Gymnasien seien in Gefahr, trötete er via Twitter, der Homepage des Elternverbandes und seinen Schleppenträgern von der Morgenpost.
Das ist keine Petitesse. Mitten in einer Schulreform mit der Autorität des obersten Elternsprechers den Untergang der Gymnasien zu verbreiten, ist reine Panikmache.
Die Eltern vieler Berliner Dritt- und Viertklässler reagierten zurecht nervös. Viele wollten ihre Kinder sofort aus den Grundschulen herausholen und aufs Gymnasium bugsieren – solange das möglich sei. André Schindler hat den Grundschulen so absichtlich geschadet. Seriöse Elternsprecher hatten viel zu tun, um in stundenlangen Gesprächen seine Falschinformationen aufzuklären.
Die Behauptungen Schindlers waren reine Spekulation. Sie populistisch zu verbreiten ist eines Mannes, der Beliner Eltern gut vertreten soll, nicht würdig.
Dass Schindler die Interessen seiner Kinder wahrnimmt ist völlig in Ordnung. Dafür ist er als Gymnasialsprecher in seiner Schule gewählt. Nur hat der Vertreter aller Eltern von Berlins Schulkindern hat eine ganz andere Rolle. Er soll nicht einseitige Klientelpolitik für das Gymnasium und, ja, Hetze gegen andere Schulformen verbreiten. Er soll für alle Berliner Eltern sprechen. Schindler attackiert aber meist Gemeinschafts- und Grundschulen. Ihm sind ganz offensichtlich integrierte Schulformen ein Dorn im Auge.
Als die inzwischen von Eltern stark nachgefragte Gemeinschaftsschule eingeführt wurde, nannte sie Schindler sofort ein teures und unsinniges Projekt. Als ein Wissenschaftler mit einer zweifelhaften Studie (die inzwischen widerlegt ist) Stimmung gegen die sechsjährige Berliner Grundschule machte, veranstaltete Schindler große Bahnhöfe für die Verbreitung der Unwahrheiten.
Vor wenigen Tagen erst verlangten Schindler und der von ihm dominierte Landeselternausschuss, auch schon die Berliner Erstklässler ständigen zentralen Vergleichsuntersuchungen auszusetzen. Diese Forderung trägt erneut Unsicherheit in die Lehrerschaft, die bereits jetzt klagt, vor lauter Wiegen und Messen der Schüler nicht mehr zum Lernen mit den Schülern zu kommen.
Schindler lässt keine Gelegenheit aus, gegen die Berliner Schulreformen zu mobilisieren.
Dabei ist unter Fachleuten die Vereinfachung und pädagogische Aufwertung der Schularten absolut unumstritten. Sie soll mehr Chancen für Migranten und Hauptschüler bringen. Acht von zehn Berliner Hauptschulen gelten unter Forschern als Marienthalschulen – das sind Schulen der Hoffnungslosigkeit. Inzwischen folgen alle Stadtstaaten der Berliner Linie, auch in den ersten Flächenländern beginnt man, sich auf eine demokratische Schulstruktur zuzubewegen. Eleganter, aber erbitterter Gegner dieser Reformen ist: André Schindler.
Zehntausende Menschen in der Stadt warten voller Hoffnung auf die überfällige Umgestaltung einer Schule, die in ihren Grundstrukturen noch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Sie haben eine Recht darauf, dass die Spitze ihrer organisierten Elternschaft diese Reformen kritisch begleitet. Aber sie haben es nicht verdient, dass ihr höchster Repräsentant mit zweifelhaften Methoden und aus der Landeselternvertretung heraus gegen diese anerkannte Reform Fundamentalopposition betreibt.
André Schindler ist ein verletzter Elitist, der in die Politik gehen sollte. Als Landeselternboß aber sollte er aufhören. Wählt ihn endlich ab!
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