04.01.2010
22:03

Das Lea-Monitoring - ein Lügendetektor

Wie organisierte Eltern gezielt gute Schule verhindern

Der Berliner Landeselternausschuss hat im Dezember eine Beschluss über Qualität gefasst und nun durch seinen Vorsitzenden André Schindler veröffentlicht. Darin steht,

dass "die Lernausgangslagen der Schülerinnen und Schüler zu Beginn und zum Ende der Schulanfangsphase durch altersgerechte und wissenschaftlich fundierte Verfahren ermittelt und der Lernzuwachs jeder Schülerin und jedes Schülers gemessen werden sollen."

Die anonymisierten und ausgewerteten Daten der Lernzuwächse, heißt es,

sollen spätestens zum Ende eines jeden Kalenderjahres auf der jeweiligen Schulporträtseite der Senatsbildungsverwaltung veröffentlicht werden. 

Dieser Beschluss steht unter der Überschrift "Transparenz mit dem Ziel der Qualitätssteigerung" - aber er wird genau das Gegenteil bewirken.  Es geht dem Lea und insbesondere seinem Vorsitzenden nicht um Qualität. Es geht darum, weiteren Druck auf Bildungssenator Jürgen Zöllner auszuüben. Denn Schindler leitet kein Beratungsorgan und keine Interessenvertretung, wie es gesetzlich (BerlSchG §§ 114/115) vorgesehen ist, er ist eine selbsternannte Fundamental-Opposition

Schindler ist viel zu intelligent, um nicht zu wissen: Das Veröffentlichen der Lernfortschritte einzelner Schüler wäre eine Vermischung des Notenapparates der alten Lehrplanschule mit den neuen Monitoring-Instrumenten für das Schulsystem. Eine solche Vermischung chaotisiert den Lehrbetrieb und belastet die Lehrer. Sie sind dazu da, Kinder individuell zu fördern - und nicht dazu, die Schul-Striptease-Phantasien des Lea zu befriedigen.

Der vermeintliche "Qualitäts"-Beschluss ist ein weiteres Instrument, um die dringend nötigen Veränderungen des Berliner Schulsystems zu blockieren, anstatt sie zum Erfolg zu führen. Im Oktober behauptete der Lea bzw. sein Vorsitzender, die Berliner Gymnasien würden geschlossen - ein vollkommen haltloser und absurder Vorhalt, der durch nichts gedeckt war. ("Gymnasien droht Schließung - heutige 5.-Klässler betroffen" >>> LeaLüge) Schindler gab den Elternvorsitzenden, der absichtlich erschreckt, anstatt Eltern gut zu vertreten.

Pisaversteher.de findet, dass man dem Berliner Schulsenator Jürgen Zöllner genau auf die Finger sehen muss, damit die weit reichenden Schulreformen nicht versanden.

Aber pisaversteher ist inzwischen noch mehr der Ansicht, dass der Landeselternsprecher kritische Aufmerksamkeit verdient hat.

Es braucht ein unabhängiges Watch-Blog - für den Lea, sozusagen ein Lügen-Detektor, ein Qualitätssicherungssystem und Monitoring.

Damit Berlins oberster Elternschinder die Eltern nicht weiter unnötig in Panik versetzt.

Deswegen wird Pisaversteher die Lea-Beschlüsse beobachten und unregelmäßig erläuternd veröffentlichen. Damit jene Eltern, die sich wirklich informieren wollen, dies auch tun können. Sonst bekommen wir in Berlin noch Hamburger Verhältnisse.

Pisaversteher

Hintergund Schulanfangsphase:

Die Schulanfangsphase soll den Kindern die Möglichkeit geben, nach ihren individuellen Geschwindigkeiten zu lernen. Und endlich Abstand nehmen von dem vermaledeiten "Gleichschritt, Marsch Marsch!" durch den Lehrplan.  

Individuelle Lernfortschritte müssen selbstverständlich diagnostiziert und überprüft werden. Aber bitte nicht von der Öffentlichkeit oder dem Senator oder, noch schlimmer, durch den Vorsitzenden des Landeselterngremiums. Dazu ist der oder die Lehrer/in da. Und die Eltern des Kindes. Niemand sonst.

Die Veröffentlichung selbst anonymisierter Daten wäre absoluter Kokolores. Es würde a) die Schulen weiter zu Verwaltungsbehörden degradieren und b) zu so peinlichen Situationen führen, wie sie in Bayern zu beobachten waren, als man dort eine Art Grundschulabitur plante.

Allenfalls ist es sinnvoll, die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten zusammengefasst zu veröffentlichen. Ansonsten brauchen die Lehrer von Grundschulen Ruhe und Abgeschiedenheit, um die Reform Schulanfangsphase nachhaltig einzuführen. Denn es ist kein kleiner Schritt vom Klassen- und Sitzenbleibeprinzip zum individuellen Arbeiten.  

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  • 1 Kommentare
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Julia
05.01.2010
Und was soll es bringen?

Lieber Ciffi, dein Herz schlägt für die SAPH und das ist gut so. Aber was soll dein "Das Lea-Monitoring - ein Lügendetektor" bringen?

Mein Kommentar

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